Schon seit einiger Zeit ist es möglich z.B. in Facebook Panoramen als 360° Grad Foto hochzuladen. Diese Fotos werden dann so dargestellt, dass jeder Blickwinkel an Desktop-PCs mit der Maus durch ziehen, auf Smartphones durch wischen mit dem Finger / schwenken des Telefons, eingesehen werden kann.

Ich fand diese 360° Fotos schon immer spannend, hatte mich aber nie mehr damit beschäftigt, als hier und da ein Panorama mit meinem iPhone aufzunehmen.

Vor kurzer Zeit dann kam ich auf ein Foto, welches mich so faszinierte, dass ich doch einmal selbst ein „richtiges“ 360 Grad erstellen wollte.

Ich holte ein Stativ und meine Sony A7R mit dem 28mm Objektiv aus dem Studio in mein Wohnzimmer und schoss einfach mal drauf los. Ein paar Bilder später importierte ich alles in Photoshop und stellte schnell fest, dass doch alles nicht so einfach und schnell geht wie erwartet.

Die letzten Wochen habe ich mich dann eingelesen, Tutorials geschaut und einiges an Equipment gekauft, retourniert, getestet und begeistert behalten. Meine Erfahrungen nun im Folgenden als eine Art Tutorial zusammengefasst. (Am Ende des Beitrags findet ihr eine Linksammlung mit allen erwähnten Produkten)

Ein Beispiel für ein von mir erstelltes 360-Grad-Bild nehme ich schon einmal vorweg (lädt automatisch unter dieser Zeile, dann bitte in Vollbild betrachten):

 

Ein gutes Objektiv

Wer meine Artikel kennt, weiß dass ich Wert auf gute Linsen lege. So war mir wichtig, etwas hochwertiges für die anstehenden Panoramen zu finden. Es war endlich Zeit für Samyang.

Aber kurz einmal zur Basis: Je kleiner die Brennweite eines Objektivs, desto weniger Einzelaufnahmen benötigt man und desto weniger Fehler können beim zusammenfügen entstehen.

Ein Objektiv, das dann einen Abbildungswinkel von 180 Grad besitzt, ist meiner Meinung nach perfekt. So benötige ich am Vollformat 4 Aufnahmen für eine 360 Grad Drehung. (Hinzu kommt dann bei Bedarf das Boden- und Deckenbild.)

Ich entschied mich schnell für das Samyang f2.8 II für meine Sony A7R. Samyang baut tolle Objektive mit großartiger Abbildungsleistung.

Das Samyang f2.8 ist eigentlich ein APS-C Objektiv und durch die fest verbaute Sonnenblende eher ungeeignet für meine Sony. Eigentlich!

Da es normal für einen APS-C Sensor gerechnet ist, ist die Sonnenblende dem nutzbaren Bildkreis deutlich im Weg.

Objektiv-Rasur 

Der Blende musste es an den Kragen und ich fand über Google sofort eine Lösung: Objektiv-Rasur.

Ein nagelneues Objektiv rasieren? Klingt hart und war wirklich eine schwere Entscheidung. Nach einem Telefonat mit dem Rasur-Spezialisten Tobias Vollmer machte ich dann aber kurzen Prozess und bestellte das Samyang – direkt zu Tobias nach Hause.

Zwei Tage später bereits bekam ich ein Paket von Tobias mit meinem neuen und rasierten Objektiv, welches nun so aussieht:

Ich kann seine Arbeit, die mit knapp 50 Euro zu Buche schlug, nur empfehlen. Für wen eine Rasur nicht in Frage kommt, der sollte sich einmal das Samyang 8mmm 1:3.5 ansehen, welches eine abnehmbare Gegenlichtblende besitzt, mir persönlich aber einfach zu schwer und klobig war.

Der richtige Panoramakopf – #1

Wer sich nur kurz mit Panoramas beschäftigt, wird schnell vom sogenannten Nodalpunkt lesen. Dieser war mir zu Beginn kein Begriff. Es geht hierbei um das Zentrum der Eintrittspupille.

Sprich: die Kamera muss über dieses Zentrum des Objektivs gedreht werden und nicht wie normalerweise über die Kamera selbst. Aus diesem Grund ist ein perfekt zusammengefügtes Panorama nur mit einem normalen Stativ nicht möglich.

Hier kommt der Nodalpunktadapter / Panoramakopf ins Spiel. Dieser Kopf ermöglicht es Kamera und Objektiv im optimalen Drehpunkt am Stativ auszurichten.

Erste Suchen bei Amazon und Co. liesen mich schnell staunen. Ich stieß auf Preise für Topgeräte von bis zu 600.00 Euro.

Umso erfreuter war ich als ich von Rollei, einer doch bekannteren Marke mit der ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht habe, einen solchen Kopf für „nur“ 195.00 Euro bei Amazon fand.

Für die ersten Tests schien mir dieser perfekt. Geliefert wurde er erfreulicherweise in einem hochwertigen, kleinen Koffer. Die Verarbeitung des Panoramakopfes war auf den ersten Blick hervorragend.

Ein Nachteil des Rollei stellte sich schnell heraus: Er ist sehr groß, schwer und doch eher umständlich zu transportieren. Eine Alternative hatte ich aber schnell gefunden:

Der richtige Panoramakopf – #2:

Tom Shot Ultralight Panohead 360. Dieser ist in Größe und Gewicht in keinster Weise mit einem normalen Panoramakopf zu vergleichen. Mit knapp 100 Gramm ist der Kopf, der von Thomas Huang im 3D-Druck hergestellt wird, ein Leichtgewicht.

Der größte Vorteil des Tom Shot.

Bei einem normalen Panoramakopf wie dem oben genannten Rollei ist die Einrichtung mit Objektiv und Kamera doch etwas aufwendiger. Beim TomShot360 hingegen wird das Objektiv in den Ring gesetzt, mit der Kamera verbunden und durch das eingebaute Gewinde auf das Stativ gesetzt. Fertig.

Sogar ein Klick-Stop-Rotator befindet sich auf der Unterseite des TomShot360, so dass sich die Kamera ganz bequem in verschiedenen Schritten / Stufen um die Achse drehen lässt.

Da dieser genannte Ring aber natürlich unterschiedliche Größen für unterschiedliche Objektive haben muss und die Entfernung zum Nodalpunkt von Linse zu Linse verschieden ist, gibt es den TomShot360 nur für eine gewisse Auswahl an Objektiven.

Rollei Panoramakopf vs. TomShot360

Ich möchte mich kurz halten: Der Rollei Panoramakopf ist für seinen Preis top verarbeitet und erfüllt voll und ganz seinen Zweck. Der einzige Vorteil gegenüber dem TomShot360 ist seine Individualität und das er so mit mehreren Objektiven nutzbar wäre. Ich für meinen Teil nutze aber nur ein einziges Fisheye für Panoramas.

Der TomShot ist klein, leicht, handlich, super durchdacht, nicht besonders teuer und lässt sich mit dem passenden Objektiv sehr schnell aufbauen und einsetzen.

Die richtige Software.

Photoshop und auch Lightroom können zwar mit Panoramen umgehen, ich fand aber schnell heraus, dass es dafür doch bessere Software gibt. Ich entschied mich für das Programm PTGui in der Pro Version. PTGui stellte mir dankenswerterweise eine Lizenz zur Verfügung.

Ich kann PTGui nur empfehlen, auch wenn das Interface etwas veraltet wirkt. Nach einem kurzen Hilfe-Video auf der offiziellen Seite war es mir bereits möglich Panoramen zu erstellen, zu stitchen und bearbeiten. Alles ist sehr intuitiv und äußerst schnell.

Dabei kann PTGui sogar mit RAW-Dateien umgehen und bietet die Möglichkeit die gewünschten Bilder als Photoshop-Datei mit Masken und Ebenen abzuspeichern. Für mich ist das eine der besten Funktionen.

Großartig ist auch die Option den Einzelbildern sogenannte Control Points zu vergeben um das Zusammenfügen der Bilder noch genauer zu machen.

Außerdem sind in den exportierten Bildern gleich die richtigen EXIF-Daten so hinterlegt, dass z.B. Facebook das Bild automatisch als 360-Grad Bild erkennt und dieses dementsprechend darstellt. Das ist sonst nur mit speziellen Kameras, wie der Ricoh Theta oder der neuen Samsung Gear 360 möglich (Die zuletzte genannten Kameras können natürlich nicht mit der Qualität einer Sony A7R mithalten)

Zusammenfassung

Alles in allem hat es ein paar Tage gedauert, bis ich die richtige Ausrüstung für meine Panoramen gefunden hatte und ich auch im Umgang mit PtGui gibt es noch viel zu lernen. Bisher bin ich so aber äußerst zufrieden.

Folgend noch einmal die Links zu Equipment und Software, mit der ihr ebenfalls solche Panoramen erstellen könnt. Es mag viele Alternativen oder andere Wege geben. Ich freue mich über eure Erfahrungen per Mail oder als Kommentar.

Links

Dominik Geisler

Ich blogge über Design und Fotografie. Poste meine eigenen Projekte. Schreibe Tipps, Tutorials, Rezensionen und teste Produkte.